Das Internet zerstört den Einzelhandel.

February 12, 2007 on 8:54 pm | von Alexander Lang |

neulich in einer Einzelhandelsfiliale einer nicht ganz unbekannten Computereinzelhandelskette:

König Kunde: Hallo
Verkäufer: … (über seinen Rechner gebeugt)
König Kunde: (steht inzwischen am Tresen, Verkäufer dreht ihm den Rücken zu) … (fängt an, mit den Fingern möglichst laut auf der Tischplatte zu tippeln)
Verkäufer: … (konzentriert auf den Rechner starrend)
König Kunde: *räusper*
Verkäufer: …
König Kunde: Ich hätte gern ein Verlängerungskabel für einen Beamer
Verkäufer: (ohne aufzublicken) ham wa nich, Montag wieder
König Kunde: (etwas verdutzt ob der unerwarteten Antwort) Hm, schade. Ich bräuchte aber heute eins.
Verkäufer: … (nach wie vor dem Rechner zugewandt)
König Kunde: (entdeckt ein Regal mit Monitor-/Beamerkabeln und geht darauf zu)
Verkäufer: (schaut gebannt auf seinen Rechner)
Kunde: Das sind doch hier Monitor-Verlängerungskabel oder?
Verkäufer: Nee, nur Anschlusskabel.
Kunde: Naja, müste doch auch gehen oder? Ich hab so einen Adapter vom Laptop aus und da müsste man doch so ein Kabel zum Beamer…
Verkäufer: (zuvorkommend) Nee geht nich.
Kunde: (verunsichert) und so ein DVI-Kabel? Ich hab ja DVI am Rechner. Und dann der Adapter…
Verkäufer: Würd ich nich machen.
Kundenarsch: (entdeckt ein VGA-Anschlusskabel in der richtigen Länge.) Damit müsste es doch gehen oder?
Verkäufer: …
Kundenarsch: Das nehm ich.
Verkäufer: Neunzehn Fuffzich
Kundenarsch: Danke.
Verkäufer: …
Kundearsch: Tschüss.
Verkäufer: … (tippt auf seinem Rechner rum)

Zu Hause angekommen, bemerkt der Kunde, dass das gekaufte Kabel eigentlich ein Verlängerungskabel ist, also genau das, was er kaufen wollte. Er freut sich wahnsinnig über den gelungenen Kauf und dankt dem Himmel, dass es den freundlichen Einzelhandel mit dem guten Service und der persönlichen Beratung noch gibt, sonst hätte er vermutlich ewig im Internet nach dem besten und güntigsten Kabel gegoogelt und es durch einen aufwändigen Mausklick bestellen müssen, woraufhin ihm das ganze am nächsten Tag nach Hause geliefert worden wäre. Glück gehabt. Danke JE Computer in der Frankfurter Allee Filiale Berlin Friedrichshain.

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9 Comments »

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  1. Na, immerhin hast Du das Gefühl, etwas Wertvolles erworben zu haben, weil Du Dich dafür mehr anstrengen musstest. Wäre es einfacher gewesen, wär auch das Freudegefühl (”Ich hab’s geschafft”) nicht so groß.
    Und Du hast Dich immerhin durchgesetzt und hast es als einige der -sicher-wenigen bis zum “neunzehn fuffzich” geschafft. Und konntest darüber bloggen! Also, wenn das mal kein rundum erfolgreiches Erlebnis war….^^
    Und Dan hat auch mal so eine Geschichte geschrieben. Dein Verkäufer hat mich jedenfalls sehr an seinen erinnert. War bestimmt der selbe tolle Laden…

    Comment by Anika — February 13, 2007 #

  2. hach verdammt. als optimist kann man aber auch alles ins positive kehren, was? :) ich geh mich jetzt ueber mein kabel freuen.

    Comment by Alexander Lang — February 13, 2007 #

  3. *g* Ein Dialog (oder doch eher Monolog?) wie er in Berlin häufig von statten geht. ;)

    Dennoch bin ich dafür, dass man auch im Zeitalter der Internetkaufhäuser mal ab und zu den Kontakt zu menschlichen, kompetenten Verkäufern sucht. So hat man auch mal wieder mit jemandem geredet und fühlt sich nach solch einem gewinnbringenden Verkaufsgespräch (wie hier beschrieben) viiiel besser, als nach drei Klicks mit der Maus. :)

    Comment by Claudi — February 15, 2007 #

  4. ich seh schon, ich hab einfach zu hohe ansprueche an die welt da draussen. ihr schafft es auch noch, dem schlechteste einkauferlebnis was abzugewinnen. das naechste mal schicke ich euch da hin. ;)

    Comment by Alexander Lang — February 15, 2007 #

  5. Wir sind Mädchen, wir sind fürs Shoppen geboren worden! *lol*

    Comment by Claudi — February 15, 2007 #

  6. Ich ertappe mich aber auch immer wieder dabei, wie ich mich total freue, wenn jemand (also zB ein Verkäufer) nett zu mir ist! Das überwältigt mich manchmal fast. Ja, anscheinend ist das wirklich recht selten…
    Wir sind halt alles Kundenpos ;-)

    Comment by Anj — February 15, 2007 #

  7. naja, “fürs Shoppen geboren” würde ich dann doch mal in Frage stellen.^^Ich habe nämlich immer diverse Probleme, Prozente auszuhandeln oder wasauchimmer, während das mein Papa so ziemlich gut kann…
    Ich bin dann auch eher eine von denen, die brav ihre Augen niederschlagen und dem extrem unfreundlichen Verkäufer ein extrem nettes Lächeln schenken und sich auch noch schlecht fühlen, weil sie den anscheinend geärgert haben, durch das bloße Auftauchen im Laden

    Comment by Anika — February 15, 2007 #

  8. vielleicht liegt’s ja doch noch an den “ossi-kindern”, uns sagt man ja eine gewisse nachsicht im umgang mit servicepersonal nach. siehe 40 jahre davor. ich werd dem verkaeufer am besten noch einen strauss blumen mitbringen - nachtraeglich zum valentinstag ;) (der hat bestimmt keine bekommen)

    Comment by Alexander Lang — February 15, 2007 #

  9. wer weiß vielleicht hat er einfach nur einen schlechten Tag gehabt
    Hab selber mal im EH gearbeitet und weiß daher das es manchmal nicht so einfach ist außerdem muss ich sagen kenne ich den Laden und bin echt zufrieden aber wer weiß…
    Die Hauptsache ist doch das Du Dein Kabel hast :-)

    Comment by Thomas — July 24, 2007 #

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