Nochmal zum Thema Rails-CMS

rails journal

Nachdem ich vor einiger Zeit ueber diese Liste Rails-basierter Content Management Systeme gestolpert war, habe ich mir heute zur Vorbereitung eines neuen Projekts diese Liste einmal etwas genauer angesehen.

Meine Anforderungen waren eigentlich ganz einfach (dachte ich):

  • eine Art Mini-Blogsystem fuer News
  • Fotos, MP3s hochladen und auf Seiten darstellen
  • WYSIWYG-Editor fuer alle Seiten
  • Bedienung auch durch Nicht-Geeks (!)
  • Unterstuetzung von RSS-Feeds und Kommentaren
  • Ruby / Rails-basiert

Die meisten der Anforderungen klingen eher nach einer Blog-Software. Wordpress waere eigentlich wie geschaffen. Neben Blog-Features unterstuetzt es auch statische Seiten und die Administrationsoberflaeche ist einfach grosssartig, durch Plugins lassen sich MP3-Player und anderes einbauen. Leider ist das Ding in PHP geschrieben, und da ich mindestens am Layout ein paar tiefgreifende Aenderungen vornehmen werde muessen, von PHP-Code aber fuerchten muss, Augenkrebs bekommen, faellt Wordpress erstmal weg.

Zunaechst also Typo und Mephisto, zwei Rails-Blogsysteme:

Mephisto

(Uberigens “The best blogging system ever”. Das erinnert mich irgendwie daran. Na dann.) Nach der Installation stehe ich vor einer leeren Admin-Oberflaeche, in der ich irgendwelche Sections anlegen kann. Dabei darf ich jeweils zwischen Blog-like Sections (Posts pro Seite) und Statischen Seiten (ein Post = die ganze Section) waehlen. Oben prangt auch ein Assets-Button, mit dem man Bilder hochladen kann. Tja, und dann kommt irgendwann der Editor zum Erstellen eines Blog-Eintrags. WYSIWYG is nich und wie man die Assets ohne HTML zu Coden in den Post bekommt, erschliesst sich mir leider auch nicht. Ueberhaupt ist das ganze etwas unuebersichtlich. Besagte Sections dienen offensichtlich als Kategorien fuer saemtliche Posts, wobei ein Post in beliebig vielen Sections auftauchen kann. Das macht fuer ein reines Blog Sinn, aber irgendwie fehlt mir hier im Konzept die Trennung zwischen statischem Content und Blog. Nee, Mephisto geht gar nicht.

Typo

Die Typo-Website besteht nur aus einem Trac.Na hoffentlich haben die Entwickler die Zeit, die sie an der Website gespart haben, in die Usability des eigentlichen Produkts fliessen lassen. Aber kann jemand, der nicht einmal die Praesentation seiner Software halbwegs schick gestalten kann, denn eine Software schreiben, bei der Worte wie Endnutzer, Usability und Komfort im Vordergrund stehen? Wir werden sehen …

20 Minuten spaeter: Nachdem die standardmaessige Datanbankkonfiguration mit Sqlite zunaechst nur Fehler produziert hat, laeuft Typo jetzt auf Msyql. Leider bestaetigt sich meine Befuerchtung: eine furchtbar haesslche Administrationsoberflaeche begruesst mich nach dem Login mit einer bestimmt 5 Bildschirme langen Seite, in der ich irgendwelche wild zusammengewuerfelten Einstellunge vornehmen soll. Nagut, weiter zum Erstellen eines Artikels. Ein Paar verdammt grosse, leere Textfelder mit Namen wie extended content (was ist das denn?!), Kategorien auch als Textarea. Ganz unten gibt’s auch was zum Datei hochladen. Aber nix, womit ich die Datei dann in die Seite einbinden koennte. Waaah. Raus hier.

Tja, das waren die beiden Rails Blogsysteme. Ziemlich ernuechternd so weit. Mit denen geht schonmal gar nix. Werden die “richtigen” CMSe vorbeiziehen koennen? Lesen Sie weiter…

Radiant

Radiant nenn sich selbst “no fluff” und “simplified” und “flexible”. Klingt schon einmal etwas bescheidener und sympatischer als das beste Blogsystem ever, koennte aber auch “noch keine Zeit fuer mehr Features gehabt” heissen. Nach dem Login habe ich einen Baum von Seiten vor mir. Es lassen sich neue Seiten einfuegen sowie bestehende bearbeiten. Leider gibt’s auch hier kein WYSIWYG sondern nur plain text bzw. Textile (wiki-like syntax) und Co. (hatten die anderen auch alle). Seiten lassen sich Layouts zuordnen, in denen dann wiederum Snippets die einzelnen Bereiche einer Seite fuellen. Weiterhin gibt es sogenannte Behaviors, mit denen sich einer Seite Programmlogik beibringen laesst.

Mit Hilfe kleiner Tags laesst sich die Logik dann in die Seite integrieren. Ein simples Blog liesse sich zum Beispiel so erzeugen: Man erstellt eine Seite, die die Liste der Eintraege anzeigen soll. Die Eintraege haengt man dann unterhalb dieser Seite als eigene Seiten ein. Ein Tag iteriert durch alle Kind-Seiten und zeigt deren Inhalt an.

Ab dem naechsten Release soll es Extensions geben, mir denen sich dann neue Features hinzfuegen lassen. Der aktuelle Release Candidate hat allerdings nicht funktioniert. Klingt wirklich alles sehr schoen und einfach, gefaellt mir wirklich gut das Konzept. Aber was soll ein Normal-User damit anfangen? Leider gar nix. Also weiter.

Rubricks

Rubricks hat auf seiner Website Demos und Videos des Systems. In dem Video sieht man grosse bunte Icons in allen Bonbonfarben. Und wie jemand mit einem Klick ein komplettes Forum erzeugt. Und alles ist animiert und man kann die Seitenelemente mit der Maus verschieben. Ich habe Angst. Ich will keine eierlegende Wollmilchsau. Ich will was kleines, beherrschbares. Zum Glueck sehe ich nach der Installation nur einen Errror 500. Puh. Schnell wieder loeschen.

Streamlined

Streamlined ist eigentlich kein CMS, wird aber im eingangs beschriebenen Artikel neben ein paar weiteren Tools als Startpunkt fuer die Entwicklung eigener Systeme empfohlen. Im Grunde ist Streamlined die Maybach-Version des Scaffold Generators von Rails. Aber Fotos hochladen kann man damit auch nicht. Und WYSIWYG. Naechster.

Spread CMS

spread-cms

Hach wie schoen. Der Besuch der Spread-Website beschert mir sogleich ein warmes Gefuehl ums Herz. Ein tolles Web2.0-Logo mit der obligatorischen Spiegelung nach unten, eine aufgeraeumte Seite, schoene Farben und Screenshots der Admin-Oberflaeche, auf der Seiten mit eingebetteten Fotos zu sehen sind. Leider ist mein Franzoesisch etwas eingerostet, sodass sich mir die kleinen Texte neben den Bildern nur teilweise erschliessen, aber egal. Das Ding will ich sofort ausprobieren, und hier kommt der Haken: das ganze steckt noch oder ist schon vor langer Zeit in der Konzeptionsphase haengengeblieben. Neiiin.

Im Projekt-eigenen Trac finde ich noch einen Artikel Making a better CMS, in dem sich jemand ueber die eklatanten Maengel einiger untersuchter CMSe auslaesst. Danke, ich bin anscheinend nicht allein.

Ich geh mir jetzt mal den Code von Wordpress angucken. Vorher noch ein paar Tomaten gegessen, Gemuese soll ja vorbeugen gegen (Augen)krebs. Seufz.

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11 Responses to “Nochmal zum Thema Rails-CMS”

  1. Joachim Says:

    Nette Wirbelwind Tour durch die angegebenen ‘CMS-Systeme’.
    Kann mich nur naschliessen. Auch Dein Tonfall transportiert schön die Stimmung die sich bei beim anschauen einstellt.
    Habe Radiant und Mephisto installiert und einige Stunden damit verbracht und - wieder gelöscht.
    Schade, ein gradliniges, einfaches CMS auf Rails Basis, welches aktiv gepflegt wird wäre Klasse.

  2. alex Says:

    ja wirklich schade. muesste man mal gucken - vielleicht hat sich ja inzwischen was getan. oder es gibt vielleicht was cooles in python oder so. kennt jemand was?

  3. openFEVER Says:

    hi,
    ja beim durchlesen dieses artikels sind mir auch einige erinnerungen gekommen. ich habe sehr grosse stücke auf spread gesetzt, leider passiert da gar nichts mehr (wenn man auf die seite kommt, wird man gleich mit ner passwortabfrage begrüßt…), die anderen “cms” systeme habe ich auch probiert soweit es ging, bin aber immer mit den selben ergebnissen weiter zum nächsten gewechselt. fazit: im moment bin ich auch bei wordpress hängengeblieben und wie ich sehe du auch :)
    aber ich habe seit einiger zeit den gedanken weil mich auch so viele cms systeme annerven, man könnte doch ein eigenes machen. als open source lösung anfangen und wenn es dann reif für den gebrauch ist kann man immer noch entscheiden was für eine lizenz man dann einsetzt… am besten so nach der art von spread :) das wäre das hammer cms.

  4. Alexander Lang Says:

    hi openfever,

    schoene idee, *endlich* mal ein eigenes cms zu bauen, das viel toller ist als alle anderen und so. leider hat das ganze einen haken: genau das gleiche haben sich die leute bei spread und anderswo auch schon gedacht. nur dass sie nach 1 monat dann doch lieber wieder was anderes gemacht haben :(

  5. openFEVER Says:

    hm, sicher ist die gefahr groß ohne entsprechendes know how und einen “plan” zu scheitern (der typ von spread ist glaube ich student, vielleicht hat der einfach keine zeit gehabt…), aber es gibt so viele “schlechte” cms, die trotzdem am markt bleiben, ne gute übersicht falls ihr die noch nicht kennt ist übrigens http://www.cmsmatrix.org, dass da doch irgendwas zu machen sein müßte. vielleicht kann man den typen von spread ja erreichen und er überläßt uns das bisher erreichte… naja wie auch immer. mal ne andere frage, wie habt ihr eigentlich die auto seite erstellt ? auch mit nem cms ?
    ohne mich aufdrängen zu wollen, aber ich bin gelernter grafik-designer, vielleicht sucht ihr ja gerade einen :) such nämlich nen job…

  6. Alexander Lang Says:

    autoki haben wir von grund auf selbst gebaut, mit ruby on rails. bei sowas kommt man mit nem cms nicht weit. sorry aber im moment sitzen da schon zwei designer dran. aber schick mir doch mal ne email oder ne xing-nachricht, vielleicht brauchenw wir ja mal jemanden. irgendwelche referenzen?

  7. openFEVER Says:

    hi,

    ja ich kann dir gerne ne mail schicken, da ist dann auch mein cv mit arbeitsproben dabei. ich meinte auch nicht direkt für die auto seite sondern eher generell.

    hab übrigens mal dem von spread ne nachricht geschickt was mit seinem cms los ist, bzw. wenn er daran nicht weiterarbeitet, ob er bereit ist den quellcode abzugeben (ist glaub ich gpl lizenz). bis jetzt hab ich allerdings noch keine nachricht.

  8. Alexander Lang Says:

    hab uebrigens vor ein paar tagen comatose in ein rails-projekt integriert. hat zwar kein wysiyg, aber ansonsten war es sehr leicht zu integrieren und das backend sieht auch schoen einfach aus. mehr dazu spaeter mal ein einem blog post.

  9. christian Says:

    Ich glaube was Du suchst, baue ich gerade.
    Umgesetzt habe ich meine Webseite mit meinem BulletCMS, welches Ruby basiert ist.
    Seitenverwaltung mit Inhalten, Modulen, Dateien, und Flash Integration, wo man mit wenigen Klicks komplette Custom Flash Gallerien erzeugen kann, inkl. Bildskalierungen und allem drum und dran sind bereits integriert.

    Mehr dazu unter http://christian-ahmer.de/das-bulletcms_2

  10. alex Says:

    danke werde ich mir mal angucken - inzwischen haben wir auch ein projekt mit radiant gemacht, was inzwischen ganz gut zu sein scheint - was man leider von einigen der plugins nicht behaupten kann (z.b. gallery) - mehr dazu mal in einem spaeteren post.

  11. erhard Says:

    Propier doch mal Goldberg.

    Mit FCKeditor auch für nicht geeks bedienbar.

    Hat zwar auch noch Haken und Ösen (keine Gallerie etc.) Aber Durch Rails sollte man das selbst hinkriegen.

    Man kann statischen Code eingeben oder eben auf actions aus Controllern verweisen . Das einzige was meiner Meinung nach die Sache rund machen würde wäre eine interne Versionierung. Aber vielleicht mach ich diese selber…..

    Ich bin zumindest begeistern.

    Viele Grüße

    Erhard

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